Arica y Parinacota liegt im äußersten Norden Chiles, an den Grenzen zu Peru und Bolivien. Innerhalb weniger Stunden führt die Reise vom Pazifik auf Meereshöhe durch trockene Täler bis in den Altiplano. Zwischen Küste und Hochland liegen mehr als 4.000 Höhenmeter; einzelne Strecken führen auf über 4.800 Meter.
Diese Region sollte man nicht nur durchfahren. Arica, die Täler von Lluta, Azapa und Codpa, die Dörfer Socoroma, Putre und Parinacota sowie der Nationalpark Lauca erzählen sehr unterschiedliche Geschichten. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hier einen Norden, der weit über Wüste und große Landschaften hinausgeht.
Kurz orientiert
- Hauptstadt: Arica
- Grenzen: Peru und Bolivien
- Landschaft: Pazifikküste, Wüstentäler, Vorkordillere und Altiplano
- Anreise: Flughafen Chacalluta, Fernbus oder Ruta 5
- Empfohlene Zeit: mindestens vier bis fünf Tage
- Für Codpa und eine längere Hochlandroute: sieben Tage oder mehr
Arica – Meer und Geschichte im Norden Chiles
Arica liegt direkt am Pazifik und besitzt ein mildes Küstenklima. Die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt, um die Region langsam kennenzulernen. Vom Morro de Arica öffnet sich der Blick über die Stadt, den Hafen und die Küste.
Besonders wichtig ist die Chinchorro-Kultur. Ihre Siedlungs- und Mumifizierungsstätten in Arica und der Gemeinde Camarones gehören zum UNESCO-Welterbe. Sie erinnern daran, dass die Geschichte dieser Küste wesentlich älter ist als die heutigen Staatsgrenzen.
Lluta-Tal – der Weg von der Küste in die Anden
Nördlich von Arica beginnt das Lluta-Tal. Es ist nicht nur ein landwirtschaftliches Tal, sondern zugleich der natürliche Weg von der Küste in Richtung Vorkordillere, Putre und Altiplano.
Zwischen den trockenen Berghängen liegen Felder und kleine Siedlungen. Zu den typischen Erzeugnissen gehört der Choclo lluteño, eine regionale Maissorte. Sehenswert sind außerdem die Geoglyphen des Lluta-Tals, darunter der sogenannte Gigante de Lluta („El Gigante“) und Las Colcas. Sie erinnern an die alten Wege und Kulturen, die dieses Gebiet lange vor den heutigen Straßen prägten. Der Gigante de Lluta ist nicht mit dem berühmten Gigante de Atacama beziehungsweise Gigante de Tarapacá am Cerro Unita bei Huara zu verwechseln.
Weiter im Tal liegt Poconchile mit seiner historischen Kirche. In der Quebrada de Cardones wachsen große Kandelaberkakteen. Die Ruta 11-CH führt durch diesen Landschaftsraum weiter hinauf nach Socoroma, Putre und zum Nationalpark Lauca. Hier beginnt der Übergang vom Pazifik in die Anden.
Azapa-Tal – Archäologie und Landwirtschaft
Südöstlich von Arica liegt das schmale und fruchtbare Azapa-Tal. Bekannt sind die Azapa-Oliven, die Geoglyphen und das Museo Arqueológico San Miguel de Azapa mit wichtigen Zeugnissen der Chinchorro-Kultur. Lluta und Azapa sind zwei eigenständige Täler und sollten bei der Reiseplanung nicht miteinander verwechselt werden.
Afro-chilenisches Erbe in Arica und Azapa
Die afro-chilenische Gemeinschaft gehört grundlegend zur Geschichte und Gegenwart von Arica und besonders des Azapa-Tals. Ihre Kultur zeigt sich in Familiengeschichten, Musik, Tanz, religiösen Traditionen und regionaler Küche. Sie sollte nicht als folkloristische Randnotiz erscheinen, sondern als ein eigener Teil der Identität der Region.
Pascua de Negros
Am 6. Januar erinnert die Pascua de Negros an den Besuch der Heiligen Drei Könige. Im Mittelpunkt steht Baltasar. Afro-chilenische Comparsas ziehen mit Musik und Tanz durch Arica; auch im Valle de Azapa wird die Tradition gepflegt. Die Feier verbindet Glauben, Erinnerung, Gemeinschaft und die Sichtbarkeit des afro-chilenischen Volkes.
Afro-chilenischer Karneval, AfroArica und Tumbe Carnaval
Der afro-chilenische Karneval in Arica ist ein lebendiges Fest aus Farben, Trommeln und Widerstandskraft. Er feiert das kulturelle Erbe, die Erinnerungen und die lebendige Gegenwart des afro-chilenischen Volkes. Zugleich erinnert das Fest an die Vorfahren, die aus Afrika nach Amerika verschleppt und versklavt wurden, an ihre Kraft, ihre überlieferten Traditionen und ihren Beitrag zur Geschichte Aricas.
AfroArica findet gewöhnlich im Rahmen des Monats des afrikanischen Erbes statt. Lokale Gruppen präsentieren Musik, Tanz und kulturelle Arbeit. Der Tumbe Carnaval ist eine charakteristische afro-ariqueñische Ausdrucksform mit Trommeln, Gesang und Tanz. Termine und Programme verändern sich von Jahr zu Jahr und sollten vor der Reise aktuell geprüft werden.
Die wichtigsten Straßen der Region
Die großen Verbindungen sind gut erkennbar. Abseits davon führen jedoch ländliche Straßen durch Gebiete, in denen Wetter, Höhe und Versorgung stärker berücksichtigt werden müssen.
- Ruta 5: nach Norden zum Grenzübergang Chacalluta und nach Tacna in Peru; nach Süden in Richtung Iquique und Antofagasta.
- Ruta 11-CH: von Arica durch das Lluta-Tal über die Vorkordillere nach Putre, in den Nationalpark Lauca und zum Grenzübergang Chungará nach Bolivien.
- Ruta A-35: Verbindung von der Ruta 5 über Codpa und Timar zur A-31.
- Ruta A-31: ruhige Verbindung durch die Vorkordillere über Tignamar, Saxamar, Belén und Chapiquiña bis Zapahuira.
Von Arica nach Putre
Die Ruta 11-CH ist die übliche Verbindung von Arica nach Putre. Auf dieser Strecke verändert sich die Landschaft schnell. Aus der Küstenwüste wird Vorkordillere, und die Höhe nimmt deutlich zu.
Socoroma liegt etwas abseits der Hauptstraße. Das Dorf mit seinen Terrassenfeldern, alten Wegen und seiner Kirche ist ein guter Zwischenhalt. Putre liegt auf etwa 3.500 Metern und ist für viele Reisende die beste Basis, bevor es weiter in den Nationalpark Lauca geht.
Mein Rat: Nach der Ankunft in Arica nicht sofort bis zum Lago Chungará fahren. Eine ruhige Nacht in Putre gibt dem Körper Zeit, sich an die Höhe anzupassen. Langsam gehen, ausreichend trinken und am ersten Tag keine anstrengenden Wanderungen planen.
Nationalpark Lauca und Lago Chungará
Östlich von Putre beginnt die Landschaft des Altiplano. Der Nationalpark Lauca schützt Hochlandseen, Feuchtwiesen, Vulkane und Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Zu den bekanntesten Orten gehören Parinacota, der Lago Chungará, die Lagunas de Cotacotani und Las Cuevas.
Im Hochland können Vikunjas, Viscachas, Lamas, Alpakas, Nandus und verschiedene Flamingoarten beobachtet werden. Typisch sind außerdem Bofedales – feuchte Hochlandflächen, die für Tiere und lokale Gemeinschaften eine wichtige Lebensgrundlage bilden.
Der Lago Chungará liegt auf mehr als 4.500 Metern. Sonne, Wind und Kälte können hier gleichzeitig auftreten. Warme Kleidung, Sonnenschutz, Wasser und ein langsames Reisetempo gehören zur Grundausstattung.
Parinacota und Sajama
Am Lago Chungará stehen zwei Vulkane, die man nicht übersehen kann. Direkt hinter dem See erhebt sich der Parinacota bis auf 6.348 Meter. Weiter östlich, bereits in Bolivien, liegt der Sajama. Mit 6.542 Metern ist er der höchste Berg Boliviens. Beide Vulkane gehören zum Landschaftsbild des Altiplano.
Parinacota und Sajama können bestiegen werden. Dafür braucht man eine gute Akklimatisierung, Erfahrung in großer Höhe und die passende Ausrüstung für Schnee, Eis, Kälte und starken Wind. Zugänge, Wetter und notwendige Genehmigungen müssen vorher aktuell geprüft werden.
Las Vicuñas und Salar de Surire
Südlich des Nationalparks Lauca liegt die Reserva Nacional Las Vicuñas. Die Landschaft ist weiter, stiller und deutlich abgelegener. Weiter südlich befindet sich der Salar de Surire, ein Teil der Biosphärenregion Lauca und ein wichtiger Lebensraum für Hochlandvögel.
Die Fahrt dorthin ist kein gewöhnlicher Tagesausflug. Straßenverhältnisse, Wetter, Kraftstoff, Wasser, Mobilfunkempfang und die Reichweite des Fahrzeugs müssen vorher geprüft werden.
Von Putre nach Codpa
Putre und Codpa lassen sich über das Innere der Region miteinander verbinden. Von Putre führt die Route zunächst in Richtung Zapahuira und anschließend über die A-31 und A-35 durch die Vorkordillere. Entlang der Strecke liegen oder befinden sich in der Umgebung Orte wie Belén, Tignamar und Timar.
Codpa liegt wesentlich tiefer als Putre, in einem geschützten und fruchtbaren Tal. Der Ort ist für den Pintatani-Wein, seine Landwirtschaft und traditionelle Häuser bekannt. In der Umgebung liegen Guañacagua, Chitita und die Petroglyphen von Ofragía.
Nach Süden durch das Hochland
Vom Gebiet um Las Vicuñas und Surire kann die Reise durch das Hochland weiter nach Süden führen – in Richtung Isluga und Colchane in der Region Tarapacá. Das ist eine eindrucksvolle, aber anspruchsvolle Strecke durch dünn besiedelte Gebiete mit großen Entfernungen und wenig Versorgung.
Von Colchane führt die Ruta 15-CH hinunter nach Huara und Iquique. Danach bieten sich Humberstone und Santa Laura als nächste Stationen an. Wer weiter nach Süden fährt, kann der Küstenroute in Richtung Tocopilla und Antofagasta folgen. San Pedro de Atacama liegt anschließend wieder im Landesinneren und wird normalerweise über Calama erreicht.
Grenzposten der Region
Die Ruta 5 führt nach Norden bis zum Grenzposten Chacalluta an der Grenze nach Perú. Der Grenzposten liegt auf 98 Metern Höhe.
Die Ruta 11-CH führt von Arica durch das Lluta-Tal über Putre und den Parque Nacional Lauca bis zum Paso Chungará–Tambo Quemado an der Grenze nach Bolivien. Der chilenische Grenzposten Chungará liegt auf 4.678 Metern Höhe.
Im nördlichen Altiplano liegt der Paso Visviri–Charaña auf 4.095 Metern Höhe.
Die Namen und Höhen helfen bei der Orientierung. Öffnungszeiten und Straßenzustand sollten kurz vor der Fahrt auf der offiziellen Seite der chilenischen Grenzbehörde geprüft werden.
Gut zu wissen
- Zwischen Arica und dem Altiplano liegen mehr als 4.000 Höhenmeter.
- Nehmen Sie sich Zeit für die Akklimatisierung.
- Im Altiplano sind die Nächte sehr kalt. Schnee, Eis und starker Wind sind zu jeder Jahreszeit möglich.
- Sand- und Staubstürme können die Sicht nehmen und die Windschutzscheibe beschädigen.
- Für abgelegene Hochlandstrecken braucht man ein zuverlässiges Fahrzeug mit 4×4-Antrieb sowie genügend Kraftstoff, Wasser und warme Kleidung.
- Prüfen Sie vor abgelegenen Fahrten den aktuellen Straßenzustand.
Persönliche Empfehlung
Von einer schnellen Fahrt in den Altiplano rate ich ab. Der Höhenunterschied zwischen Arica am Pazifik und dem Hochland ist enorm. Innerhalb weniger Stunden führt die Straße vom Meeresspiegel auf mehr als 4.500 Meter; einzelne Strecken liegen sogar höher als 4.800 Meter. Der Körper braucht Zeit, um sich an diese Höhe anzupassen.
Fahren Sie ruhig hinauf, bewegen Sie sich in den ersten Stunden nicht unnötig viel und trinken Sie ausreichend Wasser. Wenn Sie anschließend in Richtung Colchane weiterfahren möchten, planen Sie vorher zwei Nächte in Putre ein. Für die längere Fahrt durch den Altiplano kann eine geeignete Sauerstoffflasche als Reserve sinnvoll sein. Sie ersetzt jedoch nicht die langsame Anpassung an die Höhe.
Ein gemeinsamer Moment für Pachamama
Kokablätter gehören zur Hochlandkultur des chilenischen Nordens. Man findet sie auf Märkten in Arica, Iquique und auch an anderen Orten der Region. Bevor die Route richtig in den Altiplano hinaufführt, können Sie an einem ruhigen und schönen Ort kurz anhalten.
Dieser Moment wird gemeinsam durchgeführt. Wenn zwei Personen unterwegs sind, machen es beide. Bei einer größeren Gruppe nimmt ebenfalls jede Person teil. Jeder nimmt eine große Handvoll Kokablätter – un buen puñado de hojas – in beide Hände. Alle schließen die Hände und die Augen.
Eine Person spricht die Wünsche laut für die ganze Gruppe aus: eine gute Fahrt, einen schönen Aufenthalt im Altiplano, besondere Begegnungen mit der Tierwelt und eine sichere Rückkehr. Dabei bedankt sie sich bei Pachamama dafür, dass sie die Gruppe empfängt und ihr ihre Landschaft und ihre Tiere zeigt.
Wenn die gesprochenen Wünsche beendet sind, öffnen alle gleichzeitig die Augen und werfen ihre Kokablätter in den Wind. Für einen kurzen Moment entsteht ein gemeinsamer Blätterregen. Dieses Ritual stammt aus der Zeit der alten Aymara-Karawanen. Sie transportierten Waren zwischen dem Altiplano und der Küste. Vor der Reise baten sie Pachamama um Schutz und einen guten Weg. Der Blätterregen steht für Freude, Respekt und Dankbarkeit. Bleiben Sie danach noch einen Moment bei diesem Gedanken, bevor Sie in den Altiplano weiterfahren.
Unterwegs in Arica y Parinacota






Chile-Trip Geheimtipp · wenig bekannte Route
Der stille Weg nach Putre
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Von Putre nach Colchane oder Iquique – durch den Altiplano und seine Schutzgebiete
Eine lange Hochlandroute von Putre über den Salar de Surire, die Termas de Polloquere und den Nationalpark Volcán Isluga – Richtung Colchane oder Iquique.
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Die Namen der Gerichte bleiben auf chilenischem Spanisch; auf Deutsch erklären wir Herkunft, Zutaten und Zusammenhang.
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Chile-Trip veröffentlicht Kontakte und praktische Angaben erst nach redaktioneller Prüfung. Öffnungszeiten, Preise, Straßen und Angebote können sich ändern und müssen vor der Reise direkt bestätigt werden.

