Wer sein eigenes Bett dabei hat – in einem Wohnmobil oder in einem Fahrzeug, in dem man übernachten kann –, findet südlich von Putre eine der besonderen Strecken des chilenischen Altiplano: die Route Putre–Surire–Nationalpark Volcán Isluga.
Sie führt durch die Reserva Nacional Las Vicuñas, vorbei an Guallatire, zum Salar de Surire und zu den Termas de Polloquere. Danach geht es über die A-395 weiter in den Nationalpark Volcán Isluga und durch Tarapacá in Richtung Colchane oder Iquique.
Warum diese Route besonders ist
Die Fahrt führt durch die Reserva Nacional Las Vicuñas, vorbei an Guallatire und weiter zum Monumento Natural Salar de Surire. Der Salar liegt auf mehr als 4.200 Metern. Hier kommen drei Flamingoarten vor: der Chileflamingo, der Andenflamingo und der James-Flamingo. Dazu gehören Vicuñas, Suris, Vizcachas und die weiten Bofedales des Altiplano.
Wer vor der Auffahrt das kleine Ritual mit den Kokablättern gemacht hat, das wir hier empfehlen und beschreiben →, hat – so sagt es die Aymara-Tradition – bessere Chancen, all dies zu erleben: Flamingos an den Lagunen, Vicuñas und Guanacos auf den offenen Ebenen, Vizcachas zwischen den Felsen, einen Kondor am Himmel und auch einen Huemul. Das Glück dafür hat man sich mit dem Ritual bereits erbeten. Huemul und Kondor sind die beiden Wappentiere Chiles.
Surire ist jedoch kein Landschaftsbild ohne Widersprüche. Neben dem geschützten Naturraum sind auch Straßen, Lastwagen und Spuren des Bergbaus sichtbar. Hier wird vor allem Ulexit für die Herstellung von Borprodukten gewonnen – nicht Lithium. Gerade dieser Gegensatz zwischen Schutzgebiet, Hochlandökosystem und wirtschaftlicher Nutzung gehört zur heutigen Wirklichkeit des Salars und sollte nicht verschwiegen werden.
Die Route ab Putre
Vor der Abfahrt sollte man zwei Nächte in Putre einplanen. Von dort führt die Route über die Reserva Nacional Las Vicuñas, Guallatire und die A-235 zum Salar de Surire. Am Salar bleibt man auf der Hauptroute und folgt den Hinweisen der Guardaparques von CONAF.
Ab Putre zeigen die Wegweiser vor allem Richtung Colchane. Iquique wird auf dieser Hochlandstrecke zunächst nicht angezeigt. Colchane ist deshalb ein wichtiger Orientierungspunkt. Die Weiterfahrt führt über die A-395 zum Nationalpark Volcán Isluga. Später erreicht man die Verbindung zur Ruta 15-CH: nach Osten geht es nach Colchane, nach Westen über Huara, den Gigante de Atacama und weiter nach Iquique.
Putre → Reserva Nacional Las Vicuñas → Guallatire → Salar de Surire → Polloquere → A-395 → Nationalpark Volcán Isluga → Enquelga → Richtung Colchane → Huara → Gigante de Atacama → Humberstone und Santa Laura → Iquique
Termas de Polloquere
Am Rand des Salars liegen die Termas de Polloquere. Das warme Wasser und der offene Blick über das Altiplano machen diesen Ort besonders. CONAF weist auf Wassertemperaturen von bis zu etwa 60 Grad hin. Deshalb vorsichtig ins Wasser gehen, nicht allein baden und den Kreislauf in dieser Höhe nicht unterschätzen.
In der Nähe befindet sich eine einfache Campingzone. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Platz für jedes Wohnmobil geeignet ist oder Infrastruktur für Wohnmobile anbietet. Wasseranschluss, Strom, Entsorgung, Zufahrt für große Fahrzeuge und der aktuelle Zustand des Platzes müssen vorher direkt geprüft werden.
Nationalpark Volcán Isluga und Enquelga
Vom Salar de Surire führt die A-395 aus nördlicher Richtung in den Nationalpark Volcán Isluga. Zu den wichtigen Orten gehören Isluga, Enquelga und die Termas de Enquelga. Hier wechselt die Route von Arica y Parinacota in die Region Tarapacá.
Für den Nationalpark sollte ein eigener Tag bleiben. Wer wandern oder den Volcán Isluga besteigen möchte, klärt Wetter, Vulkanlage und Bedingungen vorher mit den Guardaparques.
Richtung Colchane, Huara und Iquique
Colchane bleibt auf dieser Strecke ein wichtiger Orientierungspunkt. Der Grenzposten Paso Colchane-Pisiga liegt auf 3.690 Metern. Für die Weiterfahrt nach Iquique geht es nach Westen über die Ruta 15-CH in Richtung Huara.
Gigante de Atacama
Zwischen dem Altiplano und Iquique liegt der Gigante de Atacama am Cerro Unita. Danach folgen Humberstone und Santa Laura, zwei der wichtigsten Orte der Salpeterzeit. Sie gehören fest zu dieser letzten Etappe, bevor die Reise nach Iquique und wieder hinunter an den Pazifik führt.
Übernachtungen und Zeitplanung
- Erste Nacht in Putre: ankommen und ausruhen.
- Zweite Nacht in Putre: Höhe, Fahrzeug und Ausrüstung vorbereiten.
- Salar de Surire und Polloquere: Übernachtung mit eigener Ausrüstung im dafür vorgesehenen Bereich.
- Nationalpark Volcán Isluga und Enquelga: Übernachtungsort vorher prüfen.
- Huara, Gigante de Atacama, Humberstone und Santa Laura sowie Ankunft in Iquique.
Eine zusätzliche Nacht sollte möglich bleiben, falls sich Wetter oder Straßenzustand verändern.
Für Selbstfahrer: nicht mit einer normalen Landstraße verwechseln
- Fahrzeug: CONAF empfiehlt beziehungsweise verlangt für die Zufahrt ein Fahrzeug mit Doppelantrieb. Ich würde nur mit einem robusten 4×4, gutem Ersatzrad und vollständigem Werkzeug fahren.
- Straße: Die A-235 und die A-395 sind Hochlandstraßen, deren Zustand sich nach Regen, Schnee und starkem Wind verändern kann. Die aktuellen Bedingungen müssen vor der Fahrt geprüft werden.
- Versorgung: Unterwegs gibt es keine verlässliche Tankstelle. Genügend Kraftstoff, Trinkwasser, Essen und warme Kleidung gehören ins Fahrzeug.
- Höhe: Große Teile der Strecke liegen über 4.000 Metern. Erst akklimatisieren, langsam gehen, viel trinken und bei deutlichen Beschwerden umkehren.
- Kontakt: Vor der Abfahrt den aktuellen Zugang bei CONAF Arica y Parinacota und möglichst auch vor Ort in Putre prüfen.
Wohnmobil, Motorrad oder Fahrrad?
Für ein gewöhnliches Wohnmobil ist diese Strecke nicht meine erste Empfehlung. Ein kurzer Radstand, gute Bodenfreiheit und Allrad sind wichtiger als Wohnkomfort. Große Expeditionsfahrzeuge oder Unimogs können technisch geeignet sein, müssen aber enge Passagen, Fahrzeuggewicht und Wendmöglichkeiten berücksichtigen. Ob eine Campingfläche lediglich erreichbar ist oder tatsächlich Versorgung für ein Wohnmobil anbietet, wird auf Chile-Trip künftig getrennt ausgewiesen.
Motorradreisende brauchen große Reichweite, Erfahrung auf Schotter und einen Plan für Kälte, Wind und Pannen. Für Fahrradreisende ist Surire eine extreme Hochlandetappe und keine gewöhnliche Radtour. Sie gehört nur in eine gut vorbereitete Expedition mit gesicherter Wasserversorgung und realistischen Tagesdistanzen.
Chile-Trip Empfehlung
Surire sollte nicht als schneller Abstecher von Arica geplant werden. Zwei Nächte in Putre gehören zur Vorbereitung. Wer genügend Zeit einplant, das Fahrzeug vollständig ausrüstet und die aktuellen Bedingungen prüft, kann diese Route ruhig und in eigenen Etappen fahren.
Aktuelle Besucherhinweise und Zugangsbedingungen: CONAF – Monumento Natural Salar de Surire.
